L. Ron Hubbard wurde 1911 in Nebraska (USA) geboren, er war dreimal verheiratet und hat zwei Kinder. Ron Hubbard begann 1928 mit dem Verfassen von Kurzgeschichten. Am 18. Dezember 1928 fiel er durch die Aufnahmeprüfung zur Navy-Akademie. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges versuchte Hubbard erneut, bei den US-Streitkräften angenommen zu werden. 1941 wurde er schließlich von der US Navy als Leutnant eingesetzt. Im Dezember 1941 verließ er die amerikanische Marine wieder; seine Akte enthält nach Recherchen eines Journalisten die Anmerkung „Verdacht auf Geistesgestörtheit“. In den 1960er Jahren versuchte er sich als Erfinder. Unter anderem erfand er ein Gerät, das den Schmerz von Tomaten messen sollte, wenn man diese aufschneidet (!). 1950 veröffentlicht Hubbard das Buch Dianetik, worin er Therapien entwarf, die das Ziel hatten, ein unsterbliches Genie zu werden; nachdem das Buch einen gewissen Erfolg verzeichnete, begründete er eine als Dianetik bezeichnete Lehre mit entsprechenden Seminaren, welche er als „angewandte religiöse Philosophie“ bezeichnete. 1954 gründete er dann aus steuerlichen Gründen eine Kirche namens Scientology. Kritiker verweisen darauf, dass L. Ron Hubbard keinen Studienabschluss erreichte, und dass David Miscavige, der derzeitige Führer von Scientology, keinen Highschool-Abschluss erreicht habe. Der Anführer der Scientology Bewegung verstarb am 24. Januar 1986 in Kalifornien. Bis heute wird in vielen Scientology-Organisationen ein Büro für Hubbard offengehalten, welches nur von Reinigungskräften betreten wird.
Scientology sprach 2005 von über 10 Millionen Anhängern. Dies beinhaltet auch Menschen, die einen Kurs besuchten, ohne weiterzumachen. Seriöse empirische Schätzungen nehmen dagegen kaum mehr als 100.000 Anhänger an. Die mit Abstand meisten Scientologen kommen aus den USA. Schätzungen von 2004 stellen eine Konsolidierung auf 55.000 US-amerikanische Anhänger fest. In Deutschland, wo die Scientology-Kirche die Zahl ihrer Anhänger mit 12.000 beziffert, soll es laut staatlichen Quellen zwischen 5.000 und 7.000 Scientologen geben, wobei der engere Kreis noch deutlich geringer geschätzt wird.
Lehre und Praktik
Einen wichtigen Ausgangspunkt des scientologischen Wirklichkeitsmodells bildet das physikalische Universum, welches laut Scientology aus Materie, Energie, Raum und Zeit besteht. Parallel zu diesem Modell setzt sich der Mensch laut Scientology aus drei Teilen, dem Thetan, dem Verstand und dem sterblichen Körper zusammen. Herzstück der scientologischen Lehre ist die Vorstellung, dass das unsterbliche Wesen jedes Menschen, der Thetan, durch traumatische Erlebnisse und insbesondere durch zwei Ereignisse vor Millionen Jahren massiv in seiner Funktionsweise beeinträchtigt worden sei. Scientology-Technologien, insbesondere das Auditing, könnten die Funktionen des Thetan zumindest teilweise wiederherstellen.
Ein zentrales Problem der irdischen Thetane wird hierbei durch den Xenu-Mythos erklärt, der von einem das „Böse“ verkörpernden intergalaktischen Herrscher handelt, der Thetane von weit entfernten Planeten auf die Erde verschleppt hatte und dort durch gewaltsame Verfahren so schwer traumatisierte, dass sie nun als körperlose Cluster (Körper-Thetanen genannt) anderen Menschen anhängen und sie in ihren Möglichkeiten beeinträchtigen. Erklärtes Ziel Scientologys ist es, durch Auditing das Leben des Einzelnen zu verbessern, insbesondere sein geistiges und körperliches Wohlbefinden zu steigern, und mehr Geld zu verdienen. Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Hinwendung aller Menschen zu den Gedanken Scientologys das Hauptziel, daneben wird insbesondere die Abschaffung der Psychiatrie gefordert.
Das scientologische Weltbild geht davon aus, dass der Mensch grundsätzlich gut ist.
Obwohl Scientology nicht direkt aus einer anderen Weltanschauung hervorgegangen ist, sondern eine der wenigen Neukreationen im religiösen Bereich ist, lassen sich doch einige der Quellen, aus denen Hubbard geschöpft hat, nachvollziehen. Was Einflüsse aus der westlichen Philosophie betrifft, so finden sich deutliche Parallelen zur Psychologie Sigmund Freuds, die in den 30er- und 40er-Jahren eine breite populärwissenschaftliche Rezeption erfuhr. Scientology erhebt den Anspruch, eine empirische „Wissenschaft“ zu sein und will mit „Technologien“ die Funktionsfähigkeit der Thetane erneuern. Eine Reihe von Autoren weist auch auf Scientologys Anleihen aus den Werten der „US-amerikanischen“ Kultur, insbesondere dem Glauben an Individualismus, Demokratie und Freiheit, hin. Die Frage, ob Scientology der Status einer Religion zuzuerkennen sei, ist umstritten und hängt einerseits von dem zugrunde liegenden Religionsbegriff ab, andererseits aber auch davon, ob die Merkmale, durch die Scientology Kriterien eines Religionsbegriffes erfüllt, als für Scientology wesentliche oder aber nur vorgetäuschte Eigenschaften beurteilt werden, durch die Scientology aus Sicht der Kritiker den Anschein einer Religion zu erwecken suche. Die Mehrheit der Religions- und Sozialwissenschaftler bejaht die Einstufbarkeit als Religion, was sich in entsprechenden wissenschaftlichen Gutachten zur Verteidigung der Scientology-Kirche in rechtlichen und politischen Prozessen niedergeschlagen hat. Der Produktcharakter Scientologys ist ökonomisch ausgeformt. Diese Profitorientierung stünde dem „abendländischen Religionsverständnis“ entgegen.
Die deutsche Bundesregierung schloss sich 1998 der Ansicht des Bundesarbeitsgerichtes von 1995 an, dass Scientology weder Religions- noch Weltanschauungsgemeinschaft sei. Ziel der Organisation sei vielmehr Gewinnerzielung, was mit dem Status einer Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft unvereinbar sei. Hubbard habe Scientology nur den Deckmantel einer „Religion“ umgehängt, um Steuern zu sparen und auf potenzielle Mitglieder attraktiver zu wirken. Die Produkte und Dienstleistungen Scientologys werden häufig als überteuert bemängelt, ein E-Meter kostete 1998 bei der Church of Scientology etwa 4.000 US-Dollar. Einführungs- und Demonstrationsauditing kostete 1990 umgerechnet ca. 200 Euro für 12½ Stunden, auf einer höheren Stufe können es 3.500 Euro oder mehr sein. Der Weg zur „völligen Freiheit” kostet den Scientologen $376.000 (etwa 270.000 Euro).
Auditing
Das Auditing ist dabei eine zentrale Technik zur Erreichung von Clear („befreiter Verstand“). Gemeint ist eine besondere Form des Gesprächs zwischen dem Auditor und dem der „auditiert“ wird. Ziel des Gespräches ist es, die negativen Auswirkungen des „reaktiven Verstands“ zu verringern. Als wichtigstes technisches Hilfsmittel beim Auditing findet das E-Meter Anwendung. Dieses Gerät verfügt über zwei zylindrische Elektroden, die der Auditierte beim Auditing in seinen Händen hält, und über einen Zeiger, der Veränderungen des elektrischen Widerstands zwischen den Elektroden anzeigt. Das Ziel ist, zurückliegende „Geschehnisse“ (z. B. mit emotionalem und körperlichem Schmerz verbundene Erlebnisse) aufzufinden, welche den meisten psychischen Schwierigkeiten zugrunde liegen sollen.
Diese Geschehnisse sollen so lange erzählend wiedererlebt werden, bis ihre „Ladung“ (emotionale Spannung) verschwindet. Der Auditor unterstützt diesen Prozess, indem er Anweisungen gibt, Fragen stellt und die Anzeigen des E-Meters beobachtet, um Blockaden aufzuspüren. Das utopische Ziel von Scientology ist ein erleuchtetes Zeitalter, in dem jeder Mensch Clear, also von seinen Blockaden befreit sei.
Prominente Scientologen Hollywoodschauspieler wie Tom Cruise und Katie Holmes werden insbesondere im deutschsprachigen Raum als Repräsentanten Scientologys wahrgenommen. Die Bewegung versucht insbesondere Schauspieler und andere Personen des öffentlichen Lebens zu rekrutieren und hat damit in den USA auch Erfolg. Eine Reihe weiterer Personen des öffentlichen Lebens, zum Beispiel John Travolta, Lisa Marie Presley und Kirstie Alley, verrichten ähnliche Dienste für Scientology. Die Organisation betreibt ein Celebrity Center, das sich speziell um Künstler und Personen kümmern, die in der Öffentlichkeit stehen.
Hubbard war der Ansicht, dass Künstler die Art von Menschen seien, die die Welt von morgen maßgeblich beeinflussen würden.
Kritik an Scientology
In Deutschland beobachten mehrere Verfassungsschutzämter die Scientology-Kirche, und die Stadt Hamburg unterhält eine „Arbeitsgruppe Scientology“. Bisweilen werden Scientologys Praktiken als Manipulationstechniken betrachtet. Rekrutierungsbestrebungen von Scientology, so ein Vorwurf, konzentrieren sich zum Teil ganz bewusst auf Menschen, die eine Krisensituation in ihrem Leben erreicht haben und deswegen besonders anfällig für Rekrutierungsbemühungen sind. Zentral im Anti-Scientology-Diskurs sind dabei sogenannte Gehirnwäsche-Theorien. Der erste Persönlichkeitstest sei zwar kostenfrei, jedoch pseudowissenschaftlich und diene lediglich der Mitgliederwerbung. Er biete keine eigentliche „Analyse“, sondern ende stets mit dem Ergebnis, dass der Getestete ein Verbesserungspotenzial besitze.
Der Vorwurf, Scientology sei eine totalitäre Ideologie mit antidemokratischer Stoßrichtung, wird von zahlreichen Gegnern Scientologys im deutschsprachigen Raum geteilt. Auch der Umgang mit Kritikern führt zur negativen Einstufung der Bewegung: „Diejenigen, die Scientology kritisieren oder abfällige Bemerkungen darüber machen, können einer eingehenden Überprüfung ihrer vergangenen Taten oder Absichten nicht standhalten. Wann immer wir den Hintergrund einer Kritik an der Scientology untersucht haben, fanden wir strafbare Handlungen, für die die Person oder Gruppe – gemäß den existierenden Gesetzen – hätte ins Gefängnis kommen können. Aber wir interessieren uns für die strafbaren Handlungen jener Leute, die danach trachten, uns zu stoppen. Wenn sie sich der Scientology in den Weg stellen, werden wir sofort nach ihren strafbaren Handlungen schauen – und werden sie finden und bloß legen. Wenn sie uns aber in Ruhe lassen, werden auch wir sie in Ruhe lassen.‘ Das ist sehr einfach und leicht zu verstehen. Und hüten Sie sich davor, unsere Fähigkeit – das auch auszuführen – zu unterschätzen.“ (Zitat von Hubbard)
Diese zuletzt zitierten Sätze offenbaren das wahre Gesicht der Scientology Kirche, es wurden Handlungsrichtlinien erarbeitet, wie mit Kritikern umzugehen sei: „Finde heraus, wer uns angreift. Beginne sofort, sie auf Verbrechen oder Schlimmeres zu untersuchen und verwende dabei eigene Fachleute, keine außenstehenden Agenturen. Beginne die Presse zu füttern mit Finsterem, Blut, Sex und Verbrechen, tatsächlichen Beweisen über die Angreifer. Ich spreche aus 15 Jahren Erfahrung. Bis jetzt hat es noch keinen Angreifer gegeben, dem nicht mit Verbrechen Dampf gemacht werden konnte.“ (Zitat Hubbard) So ist es denn auch folgerichtig, dass Scientology eineneigenen Geheimdienst (Guardian Office) aufgebaut hat, der im Verdeckten arbeitet, Hass, Zwietracht und Terror sät. „Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt acht, dass euch niemand verführt! Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus! Und sie werden viele verführen. (…) Und
dann werden viele Anstoß nehmen, einander verraten und einander hassen. Und es werden viele falsche Propheten auftreten und werden viele verführen. Und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden“. Matthäus 24,4-5.10-13
Dieser Artikel ist erschienen in der Gemeindezeitung der Christlichen Gemeinschaft Paderborn. Die Christliche Gemeinschaft ist eine zentralgelegene Freikirche in Paderborn.
Quellen:
- http://home.snafu.de/tilman/krasel/germany/theol.html
- http://www.religio.de/therapie/sc/sciento.html
- www. wikipedia.de
- Ein E-Meter, das zum Auditingbenutzt wird. Quelle: Wikipedia
- Das Scientology-Kreuz. Die acht Enden des Kreuzes stehen für die „acht Dynamiken“. Quelle: Wikipedia
- Deutschlandzentrale von Scientology in „http://de.wikipedia.org/wiki/Berlin“ \o „Berlin“ Berlin, Quelle: Wikipedia
- Tom Cruise, Quelle: „http://i.dailymail.co.uk“ http://i.dailymail.co.uk
- L. Ron Hubbard (1911-1986), Begründer der Scientology-Kirche. Quelle: http://www.scientology.de
Bild-Quellen:
- Bild 1 http://www.focus.de/fotos/deutschland-zentrale-vonscientology-in-berlin_mid_245645.html
- Bild 2 http://www.jolie.de/bildergalerien/religionen-stars-1391560.html
- Bild 3 http://www.thueringen.de/de/verfassungsschutz/weitere_arbeitsfelder/scientology/
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